Das Bewerbungsgespräch soll dem Kennenlernen dienen: Das Unternehmen möchte im persönlichen Gespräch mehr
über den Bewerber erfahren, und dieser kann feststellen, ob das Unternehmen wirklich seinen Vorstellungen entspricht.
Trotz Nervosität vor dem wichtigen Gespräch stellt man es sich als angenehmes, wenn auch forderndes Interview vor.
Seit geraumer Zeit hat sich eine andere Form des Bewerbungsgesprächs etabliert:
Das Stressgespräch. Darin stellt der Personalchef unangenehme Fragen, sucht
Widersprüche in Anschreiben und Lebenslauf, geht bewusst auf peinliche Details
in Zeugnissen ein und hinterfragt alles, was der Bewerber sagt oder geschrieben
hat. Wenn der Bewerber erkennt, dass er in ein solches Stressgespräch gerutscht
ist, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, wie er es gut überstehen kann - er kann
sich aber auch im Voraus davor schützen oder es notfalls zum richtigen Zeitpunkt
beenden.
Ein Stressgespräch zu verhindern ist schwer - wenn der Personalchef etwas finden
will, entdeckt er in den Unterlagen des Bewerbers immer etwas, worauf er
eingehen kann. Um ihm die Suche zu erschweren und sich selbst das
Stressgespräch zu erleichtern, sollte man beim Schreiben seiner Unterlagen auf
die Verwendung von Adjektiven achten. Ein sachlich gehaltener Lebenslauf und
ein Anschreiben, in dem nur das Wesentliche steht, sind meist eine bessere Grundlage als eine lange Beschreibung der
eigenen Eigenschaften. Was sitzen muss, ist Folgendes: Man muss dem Personalchef immer glaubhaft vermitteln
können, wieso man ausgerechnet in dieses Unternehmen und in diese Stelle möchte.
Es kann immer passieren, dass doch ein gefährliches Adjektiv den Weg in die Bewerbungsmappe findet und für den
Personalchef ein gefundenes Fressen ist. Wenn es zur unangenehmen oder schwierigen Frage kommt, sollte man sie
lieber geschickt umgehen und das Gespräch auf ein anderes Thema lenken, anstatt detailliert darauf einzugehen. Eine
ausführliche Antwort birgt immer die Gefahr, sich in Widersprüche zu verstricken oder dem Personalchef einen Eindruck
zu vermitteln, der ihm missfällt. Man sollte nur dann genau auf die unbequemen Fragen eingehen, wenn man sich
wirksam zu verteidigen weiß und sich sicher ist, dass daraus keine Widersprüche entstehen.
Dem Bewerber steht immer die Möglichkeit offen, das Bewerbungsgespräch zu beenden. Das sollte er tun, wenn das
Stressgespräch in eine Richtung entwickelt, die ihn nur noch in schlechtem Licht darstellen kann. Fragen wie: "Ihre
Frau will die Scheidung - erscheinen Sie trotzdem wie gewohnt zur Arbeit?" dienen nicht dem Zweck, Berufsrelevantes
über den Bewerber zu erfahren. Sobald ein Stressgespräch in die persönliche Spähre driftet oder nur dazu dient, ihn
schlecht zu behandeln, muss der Bewerber sich nicht mehr auf die Fragen des Personalchefs einlassen. Das ist der
richtige Zeitpunkt, das Gespräch zu beenden.
Bewerbungsratgeber:
Das Stressinterview -
Das andere Vorstellungsgespräch
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