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Egal ob Sie eine Präsentation für einen Klienten halten, eine Diskussion mit Ihren Kollegen führen oder mit einem
Vorgesetzten über bessere Arbeitskonditionen verhandeln – in all diesen Situationen sind rhetorische Kenntnisse
äußerst hilfreich. Deshalb sollten Sie versuchen, sich einige
grundlegende Fähigkeiten anzueignen und sie zu verinnerlichen, damit
Sie sie möglichst universell anwenden können. Wenn Sie ein wenig
Übung darin haben, werden sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen.
Wichtig: Fassen Sie die Rhetorik nicht als Mittel auf, mit dem Sie
mangelnde Fachkenntnisse kaschieren oder inhaltsleere Sätze durch
einige Kunstgriffe bedeutungsvoll klingen lassen können, denn das sind
nicht die Ziele rhetorischer Strategien. Vielmehr geht es darum, dass Sie
lernen, wie Sie wichtige Inhalte hörerfreundlich vermitteln können,
damit beide Seiten einen Nutzen daraus ziehen. Sie als Redner haben
ein aufmerksames Publikum, und Ihre Zuhörer können die
Informationen, die Sie ihnen geben wollen, viel besser aufnehmen. Der
folgende Text gibt Ihnen einige Hinweise an die Hand, welche
rhetorischen Strategien Sie einfach, aber effektiv anwenden können und
wie sich dies positiv auf Ihre Karriere auswirkt.
1. Zu Beginn eines Vortrags sollten Sie versuchen, die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer zu erlangen und ihr Interesse zu
wecken. Wenn es kein allzu formeller Rahmen ist, dann eignet sich eine kleine Anekdote, vielleicht auch ein thematisch
passender und möglichst geistreicher Witz, sehr gut dazu. Werfen Sie Ihr Publikum nicht gleich ins kalte Wasser, indem
Sie mit dem eigentlichen Thema beginnen, sondern geben Sie ihm zunächst die Gelegenheit sich an Ihre Stimme und
Ihren Vortragsstil zu gewöhnen. Ein weiterer Vorteil dieser Strategie ist, dass Sie selbst in Schwung kommen und sich
mit der Vortragssituation vertraut machen, ohne dass Sie sofort über wichtige Inhalte referieren. Im Idealfall erlangen
Sie die Sympathie des Publikums, das Ihnen somit gerne zuhört und auch im Anschluss Ihres Vortrags freundlich
gesonnen sein wird, vielleicht auch nur unbewusst, weil es sich bewusst gar nicht mehr an den Einstieg Ihres Vortrags
erinnert. Natürlich sollten Sie es nicht übertreiben, indem Sie eine ausufernde Lebensgeschichte erzählen, denn dann
werden Ihre Zuhörer ungeduldig werden. Genau wie beispielsweise auf Werbeplakaten so genannte „Eyecatcher“
benutzt werden, um Menschen anzulocken und sie für den eigentlichen Inhalt des Plakats zu interessieren, so sollte Ihr
Vortrag mit einem „Earcatcher“ beginnen.
2. Pflegen Sie bei Vorträgen und Präsentationen den so genannten „Verbalstil“ und vermeiden Sie den „Nominalstil“.
Den Unterschied zwischen beiden Redestilen kann man sich sehr gut anhand des berüchtigten Beamtendeutschs vor
Augen führen. Stellen Sie sich ein Formular vor, das Sie von einer Behörde zugeschickt bekommen: „Wir erteilen Ihnen
hiermit die Anweisung, unverzüglich eine Regelung bezüglich der Unterbringung Ihres Kraftfahrzeugs vorzunehmen,
und bitten Sie um die Zusendung der nötigen Unterlagen.“ So oder ähnlich klingen viele Behördenformulare, doch
manchmal ertappen wir uns auch dabei, wie wir eine vorformulierte Präsentation ebenfalls mit solchen Satzungetümen
ausgestattet haben. Das geht natürlich auf Kosten der Lebendigkeit eines Vortrags. Deshalb ist eine gute rhetorische
Strategie, Verben nicht künstlich zu Substantiven umzuformen, wie es im Beamtendeutsch oft geschieht. Sagen Sie
lieber „regeln“ anstatt „Regelungen vorzunehmen“, verzichten Sie darauf, „eine Unterbringung des Kraftfahrzeugs
vorzunehmen“, sondern bringen Sie das Auto einfach unter – Ihr Publikum wird es Ihnen danken.
3. Dieser Tipp betrifft vor allem ausgearbeitete Vorträge: Seien Sie sich stets der Funktion von Fach- und Fremdwörtern
bewusst und verwenden Sie solche Ausdrücke dementsprechend. Fachwörter dienen der Präzision, weil sie meist einen
ganz bestimmten Sachverhalt bezeichnen, also sollten sie auch nur zu diesem Zweck verwendet werden. Im
Umkehrschluss heißt das, dass Sie es vermeiden sollten, Ihre Vorträge aufzublähen oder imposant erscheinen zu
lassen, indem Sie unnötig viele Fachwörter einbauen. Bei jedem Fachwort besteht nämlich die Gefahr, dass Ihre
Zuhörer es nicht sofort verstehen oder zumindest darüber nachdenken müssen und dadurch Ihrem Vortrag nicht mehr
folgen können. Daher gilt: Wenn Ihr Vortrag durch ein bestimmtes Fachwort präzise wird und Sie sicher sind, dass alle
Anwesenden es verstehen, dann ist es ein Gewinn, ansonsten sollten Sie darauf verzichten.
4. In heiklen Diskussionen oder Konfliktsituationen können Sie mit dem folgenden Kniff und etwas Fingerspitzengefühl
die Gefahr verhindern, dass die Stimmung überkocht und die Situation allzu unangenehm wird: Wenn Sie Kritik an dem
Verhalten Ihres Gegenübers üben möchten, dann sollten Sie Formulierungen wählen, die keinen Vorwurf beinhalten,
denn dadurch würde die Situation unnötig verschärft, weil Ihr Gegenüber sich angegriffen fühlen könnte. Besser ist es,
wenn Sie Ihre Gefühle beschreiben und begründen, denn dann greifen Sie Ihren Gesprächspartner nicht an und geben
ihm gleichzeitig die Gelegenheit, sich in Ihre Situation zu versetzen. Sagen Sie also nicht: „Sie haben mich ungerecht
behandelt“. Erklären Sie besser: „Ich fühle mich ungerecht behandelt, weil... “ Dadurch schaffen Sie eine Atmosphäre,
in der das Problem konstruktiv und ohne persönliche Angriffe diskutiert werden kann.
Sie sehen also, dass beruflicher Erfolg auch von der Art und Weise abhängt, wie Sie das, was Sie sagen möchten,
ausdrücken. Wenn Sie ein wenig darauf achten und die obigen Hinweise beherzigen, düften Sie schnell feststellen, dass
Ihre Vorträge gut ankommen, Ihr Publikum Ihnen gerne zuhört und Sie auch in anderen Gesprächen überzeugend
wirken. Dies wird sich früher oder später auch positiv auf die Gesamtsituation in ihrem Job auswirken.
Erfolgsfaktor Rhetorik