Ob mit Worten, Taten oder im Internet – allein in Deutschland werden über eine Million Berufstätige gemobbt. Die
Betroffenen ziehen sich zurück, werden krank oder kündigen.
Was genau ist Mobbing eigentlich?
Mobbing stammt aus dem Englischen und bedeutet:
jemanden angreifen, anpöbeln, bedrängen, über ihn
herfallen. Gemeint sind systematische, sich stetig
wiederholende Schikanen, nicht einmalige
Vorkommnisse.
Mobbing hat viele Gesichter. Arbeitskollegen schneiden
Sie, der Chef nörgelt, die Aufgaben wachsen bis zum
Gehtnichtmehr. Sie werden vor anderen erniedrigt,
beschimpft oder bedroht, Sie werden strafversetzt, Ihr
Ruf wird ruiniert.
Es gibt viele Gründe für Mobbing: Man will Sie
loswerden, um Ihren Posten neu zu besetzen oder
einzusparen, weil Sie zu teuer sind oder jemand Sie
nicht mag; weil man neidisch auf Sie ist oder aus
reinem Sadismus.
Ein typisches Merkmal für Mobbing ist, dass Ihnen die
Möglichkeit zu sinnvoller Kommunikation genommen
wird.
Werden Sie gemobbt? So erkennen Sie es!
Sie werden nicht mehr gegrüßt.
Gespräche verstummen bei Ihrem Erscheinen.
Man geht Ihnen aus dem Weg, lässt Sie »links liegen«.
Gerüchte über Sie werden in Umlauf gesetzt, es wird über Sie »getratscht«.
Sie werden kaum noch über betriebliche Belange informiert, sodass Sie
immer häufiger »dumm dastehen«.
Ihre Aussagen werden wiederholt falsch wiedergegeben.
Die Zusammenarbeit mit Ihnen wird boykottiert.
Kleine Fehler und Versäumnisse werden aufgebauscht.
Sie stellen »Parteienbildungen« fest, haben das Gefühl, eine Art
»unsichtbare Mauer« werde um Sie herum errichtet
So wehren Sie sich erfolgreich
Sehen Sie über wiederholte Gehässigkeiten oder Sabotageakte nicht einfach hinweg. Wenn Sie das tun, werden
mobbende Kollegen oder Chefs sich noch Gemeineres einfallen lassen, denn Ihr Verhalten bestärkt sie in dem
Vorhaben, Sie »fertigzumachen«. Und Sie leiden weiter, bis Ihnen nur noch der letzte Ausweg möglich scheint: Ihre
Kündigung.
Stattdessen überwinden Sie sich und setzen möglichst frühzeitig Grenzen, signalisieren ein klares »Stopp!«, ehe die
Situation so weit eskaliert, dass die Fronten ganz verhärtet sind. Bereits durch kleine Gesten der Gegenwehr erreichen
Sie bei sich selbst eine »innere Umkehr«, die es Ihnen leichter macht, aktiv zu handeln und die Defensive zu verlassen.
Einen einzelnen mobbenden Kollegen sprechen Sie zunächst unter vier Augen an. So bekommt er die Chance, die
Situation mit Ihnen ohne »Gesichtsverlust« zu klären, und Sie haben das Problem vielleicht schon gelöst.
Wenn Kollegen bei Ihrem Auftauchen verstummen, fragen Sie offen nach den Gründen. Auch wenn Sie das große
Überwindung kostet, es ist der bessere Weg.
Suchen Sie Hilfe, zum Beispiel bei Ihrem Partner, befreundeten Kollegen, Ihrem Vorgesetzten, dem Betriebs- oder
Personalrat. Erwarten Sie allerdings nicht zu viel Hilfe aus dem Kollegenkreis. Kollegen solidarisieren sich aus Angst
ungern mit dem Mobbing-Opfer.
Ihr Arbeitgeber dagegen ist zur Hilfe verpflichtet, ansonsten kann er arbeits- und zivilrechtlich belangt werden. Ihr
erster Ansprechpartner ist Ihr direkter Vorgesetzter. Wenn der selbst am Mobbing beteiligt ist, sprechen Sie stattdessen
den nächsthöheren Vorgesetzten an.
Gespräche mit dem Täter führen Sie grundsätzlich zu dritt. Der dritte Anwesende kann so als Zeuge, Katalysator,
Moderator, Coach oder Mediator fungieren, je nach Erfordernis.
In einem »Mobbing-Tagebuch« halten Sie Datum, Uhrzeit, Situation und die jeweilige Mobbing-Handlung fest. Sie
notieren, wer welche Handlung begangen hat und wie Ihr eigenes Gefühl dabei war. Vermerken Sie außerdem Ihre
körperlichen und gesundheitlichen Reaktionen darauf und wann sie auftraten. Zur Beweissicherung ist es sinnvoll, auch
Arztbesuche einzutragen.
Täter suchen sich oft das schwächste Opfer, wenn sie mit einer betrieblichen Situation unzufrieden sind. Versuchen Sie,
das in einer Team- oder Arbeitsbesprechung zur Sprache zu bringen. Unternehmensbedingte Probleme müssen
behoben werden, ohne dass Sie Ihren Rücken dafür hinhalten.
Karriereratgeber:
Mobbing und wie Sie sich
dagegen wehren können
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