Ihre berufliche Karriere ist gesichert, Ihre Aufgaben im Unternehmen wachsen und Sie erfüllen sie stets zur vollsten
Zufriedenheit Ihrer Chefs. Nun wächst in Ihnen das Gefühl, es wäre Zeit für eine Gehaltserhöhung. Nur – wie stellen
Sie das am besten an? Wir geben Ihnen wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung.
Mehr Gehalt: Wann? Wie oft? Wieviel?
Wenn Sie bereits eine Zeitlang ein erweitertes Aufgabengebiet bearbeiten
(z. B. nach einem Stellenabbau im Unternehmen), mehr Verantwortung
tragen oder auf der Karriereleiter einen Schritt nach oben gemacht haben
(z. B. vom Verkäufer zum Fachverkäufer, vom Manager zum Senior
Manager), ist es sinnvoll, um ein höheres Gehalt zu verhandeln. Warten Sie
allerdings damit, bis Sie etwa drei bis sechs Monate im neuen
Tätigkeitsbereich erfolgreich gearbeitet haben.
Dokumentieren Sie Ihre Tätigkeiten und Erfolge in einem »Tagebuch«, aus
dem Sie beim Verhandlungsgespräch etwa eine Seite mit »Highlights« (also
besonderen Erfolgen) vorlegen können.
Achten Sie bei der Wahl des Termins für ein Gehaltsgespräch auch auf das
Geschäftsjahr Ihres Unternehmens. Etats und Budgets werden in größeren
Unternehmen oft bereits im ersten (Geschäfts-)Halbjahr festgelegt, am
Jahresende stehen darum oft die Mittel für höhere Gehälter nicht mehr zur
Verfügung. Der ideale Termin für eine Gehaltsverhandlung liegt darum
meistens im Frühjahr/Sommer.
Beim Eintritt in ein Unternehmen gilt bis zur ersten Gehaltserhöhung eine
sogenannte »Schamfrist« von anderthalb Jahren. Gehaltsverhandlungen
können Sie ansonsten etwa alle 1–2 Jahre führen, auch hier haben sich 1½
Jahre als Regel etabliert. In vielen Berufen sind jährliche
Bewertungsgespräche üblich, in denen Sie durchaus auch Ihr Gehalt
ansprechen können. Natürlich können Sie solche Bewertungsgespräche
auch selbst anregen.
War das letzte Gehaltsgespräch erfolglos, verhandeln Sie etwa sechs
Monate später nach.
Bleiben Sie realistisch bei der Höhe Ihrer gewünschten Gehaltsanpassung: 5–10% sind in der Regel erzielbar. Weniger
ist gerade einmal Inflationsausgleich, mehr bekommen Sie nur, wenn Sie einen größeren Karriere-Sprung gemacht
haben (z. B. vom Produktmanager zum Leiter einer Business Unit).
Mit Sachbezügen (Firmenwagen, verbilligter Einkauf, Direktversicherung, usw.) können Sie allerdings oft noch deutlich
mehr für sich herausholen. Diese sogenannten geldwerten Vorteile müssen Sie zwar versteuern (den Firmenwagen mit
Privatnutzung zum Beispiel pauschal mit monatlich 1% des Inlands-Brutto-Neupreises), aber der Nutzen überwiegt
deutlich.
Informieren: Gehaltscheck und andere Möglichkeiten
Verhandlungen sollten immer auf »Augenhöhe« stattfinden. Darum informieren Sie sich besonders gründlich und sind
auf jede Situation vorbereitet.
Stellen Sie fest, ob sie ein »marktgerechtes« Gehalt beziehen. Arbeiter und Angestellte, die nicht in
Führungspositionen tätig sind, finden zum Beispiel auf den Internetseiten des LohnSpiegel einen
aussagekräftigen kostenlosen Lohn- und Gehaltscheck. Fach- und Führungskräfte können beispielsweise bei
Experteer.de sog. Gehalts-Benchmarks für Positionen mit einem Jahresverdienst größer 60.000 Euro
durchführen. Kontakte zu Personen in ähnlicher Position und in vergleichbaren Unternehmen können
ebenfalls helfen, den eigenen »Marktwert« zu ermitteln.
Finden Sie Mehrbedarfe und »Lücken« in Ihrem Unternehmen heraus, die Sie ausfüllen könnten. Sind im Unternehmen
in letzter Zeit Stellen abgebaut worden und Sie müssen deshalb zusätzliche Aufgaben übernehmen? Auch das kann ein
guter Ansatz für Gehaltsverhandlungen oder den weiteren Aufbau Ihrer Karriere sein!
Informieren Sie sich über Alternativen bzw. Ergänzungen zur reinen Gehaltserhöhung. Boni und Provisionen sind hier
denkbar, ebenso geldwerte Vorteile wie etwa Firmenwagen, verbilligter Einkauf, eine Direktversicherung, eine
betriebliche bezahlte Rentenversicherung, Fahrtkostenzuschüsse, Essensgeld, eine verbilligte oder gar kostenlose
Wohnung, mehr Urlaub. Diese Möglichkeiten sind wegen steuerlicher Vorteile oft für den Arbeitgeber interessanter – für
Sie aber auch!
Sie sollten einige Möglichkeiten ausarbeiten und in der Lage sein, im Verhandlungsgespräch konkrete Zahlen und
Beispiele zu nennen.
Die Gehaltsverhandlung vorbereiten
Sie haben während der letzten 6–12 Monate ein »Erfolgs-Tagebuch« geführt, in dem Sie zusätzliche Aufgaben und
eigene Verdienste aufgeführt haben. Daraus erstellen Sie maximal eine DIN A4-Seite mit konkreten Daten (Mehrarbeit,
erzielte Einsparungen, höhere Umsätze beziffern). Weitere konkrete Ziele, die Sie erreichen möchten (und können),
listen Sie ebenfalls auf.
Stellen Sie klar, warum Ihre Gehaltserhöhung für das Unternehmen nicht höhere Ausgaben, sondern eine lohnende
Investition bedeutet.
Wenn Sie unsicher sind, welche Möglichkeiten noch in Ihnen
stecken und welche Stärken und Schwächen Sie wirklich
haben, lohnt es sich in jedem Fall, das herauszufinden. Nur
so können Sie gezielt und mit Freude Ihre Karriere im
richtigen Unternehmen und in der richtigen Position weiter
aufbauen. Arbeitgeber legen immer mehr Wert auf die Fach-
, Sozial- und Methodenkompetenzen ihrer Mitarbeiter.
Nutzen Sie das zu Ihrem Vorteil!
Insbesondere für Fach- und Führungskräfte empfehlen wir
zur eigenen Kompetenzanalyse ein Programm, das mit dem
Bochumer Inventar zur berufsbezogenen
Persönlichkeitsbeschreibung (BIP, nach Hossiep & Paschen)
arbeitet.
Diese Programme werden von Coaching-Unternehmen und
Bildungsträgern vor Ort angeboten, sind aber inzwischen
auch schon zur Online-Bearbeitung erhältlich.
Bei der Verhandlung mit Ihrem Chef sollten Sie »hart in der
Sache, aber sanft im Umgang« sein. Keine persönlichen
Attacken, keine Wutausbrüche! Informieren Sie sich über
das Harvard-Konzept (http://de.wikipedia.org/wiki/Harvard-
Konzept), eine Methode zur positiven Verhandlungsführung,
die wir sehr empfehlen können. Mensch, Interesse,
Möglichkeiten und Kriterien stehen hierbei im Vordergrund,
die Sache wird streng getrennt von der persönlichen
(beruflichen) Beziehung behandelt. Auch bei schwierigen
Verhandlungen können Sie so ein positives Ergebnis
erzielen.
Legen Sie ein Maximal- und ein Minimal-Ziel für Ihr
Gehaltsgespräch fest und notieren Sie
Ausweichmöglichkeiten (Sachbezüge, erneute Verhandlung
nach »Bewährungszeit«, usw.).
Bereiten Sie sich auf Einwände vor und legen sich schon
jetzt positive Antworten und Ausweichmöglichkeiten bereit.
Notieren Sie diese.
Nehmen Sie auf jeden Fall Ihre vorbereiteten Unterlagen
und etwas Schreibzeug mit, um sich während des
Gesprächs Notizen machen zu können. Ein optisch
ordentlicher Auftritt ist sicher selbstverständlich.
Das Verhandlungsgespräch
Sie treten selbstsicher auf, fragen nach einem Termin zu
einem »Bewertungsgespräch« oder einer »Gehaltsanpassung«, niemals nach einer »Gehaltserhöhung«.
Noch besser ist eine Formulierung wie etwa: »Ich möchte mich gerne mit Ihnen über meine Entwicklung und meine
Perspektiven im Unternehmen unterhalten.«
Wer in Zeitnot ist, verliert. Lassen Sie sich darum keine Termine »in der Pause«, oder am letzten Arbeitstag
nachmittags geben. Termine an Montagen oder direkt nach dem Urlaub Ihres Chefs sind ungünstig, weil er viel Arbeit
aufzuholen hat. Vereinbaren Sie einen Termin an einem Tag, an dem für beide Seiten genügend Zeit zur Verfügung
steht, idealerweise im ersten (Geschäfts-)Halbjahr. Gegen Ende des Jahres sind Etats oft ausgeschöpft, es ist kein
Spielraum mehr vorhanden.
Zum vereinbarten Termin erscheinen Sie nicht mehr als fünf Minuten zu früh, keinesfalls verspätet, in adretter, nicht
übertriebener Kleidung. Ihre vorbereiten Unterlagen und Schreibzeug haben Sie dabei. Manchen Menschen hilft es, vor
dem Termin noch einmal lächelnd und ruhig in einen Spiegel zu schauen und tief durchzuatmen.
Sie sollten wissen, welcher »Typ« Ihr Chef ist, denn jeder Typ Mensch wird anders angesprochen: Beim Befehlstyp
steuern Sie direkt auf Ihr Ziel los; beim Überzeugungstyp lassen Sie sich nicht durch Nebensächlichkeiten vom Thema
abbringen; beim Typ, der sich um alles kümmert, verlieren Sie nicht die Geduld; beim kalkulierenden Typ müssen Sie
manchmal etwas drängen; beim schöpferischen Typ zeigen Sie Verständnis für seine Ideen und Konzepte.
Wenden Sie während des gesamten Gesprächs das Harvard-Prinzip an: »Hart in der Sache, sanft im Umgang.« Werden
Sie niemals unsachlich, greifen Sie nicht persönlich an, lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, halten Sie Augenkontakt
und versuchen, Ihren Gesprächspartner zu verstehen. Verstehen heißt nicht unbedingt, auch mit etwas einverstanden
zu sein!
Verwenden Sie keine Konjunktive (»Es wäre schön, wenn …«), sondern sprechen Sie von sich, in sachlich-bestimmter
Form (»Ich möchte …«). Fragen stellen Sie »offen«, also so, dass Ihr Gesprächspartner nicht mit einem einfachen »Ja«
oder »Nein« antworten kann. So finden Sie mehr über seine Motive und die Sachlage heraus und können entsprechend
reagieren.
Ein guter Tipp: Verhalten Sie sich so, als wenn Sie für einen anderen um eine Gehaltserhöhung verhandeln müssten.
Das hilft Ihnen, sachlich zu bleiben und persönliche Reaktionen zu vermeiden.
Auf ein zu niedriges Angebot antworten Sie zuerst einmal mit einem Wort aus drei Buchstaben: »Hmm …« Diese
unverbindliche Antwort überlässt es Ihrem Chef, ob er noch ein besseres Angebot »nachlegt«.
Sollte Ihr Chef sich positiv zu Ihrem Wunsch äußern, aber dann ausweichen, etwa mit einem Satz wie »Ich befürworte
ja eine Gehaltserhöhung für Sie, aber wissen Sie, das kann ich niemals nach oben hin durchsetzen.«, dann bieten Sie
doch einfach ein Dreier-Gespräch an. Sie beweisen damit Ihre Selbstsicherheit und den begründeten Wunsch, der Chef
gerät unter Handlungszwang. In den meisten Fällen wird er versuchen, ein solches Dreiergespräch zu vermeiden und
Ihnen doch ein Angebot machen.
Werden Sie in keinem Fall ausfällig, wenn das Verhandlungsergebnis ein »Nein« bleibt. Lenken Sie ein, fragen Sie ggf.
nach einem einmaligen Bonus oder zusätzlichen Urlaubstagen. Sie können auch ganz direkt danach fragen, ob Sie
etwas ändern können, um doch noch eine Chance auf eine Gehaltsanpassung zu bekommen. Lassen Sie in jedem Falle
die Tür offen für eine weitere Verhandlung in etwa sechs Monaten. Je nach Gegenüber kann es sinnvoll sein, diesen
Termin auch schon vorab gemeinsam festzulegen.
Mit diesen Tipps und Taktiken kann eigentlich bei Ihrer nächsten Gehaltsverhandlung nichts mehr
schiefgehen.
Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg!
Literaturempfehlungen zum Thema
Karriereratgeber:
Ihr Weg zur erfolgreichen
Gehaltsverhandlung
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